Wenn Menschen von der negativen Prognose eines Krebskranken hören,

stellen sie oft Fragen wie diese:

 

Wie kann man denn mit Krebs leben?

oder:

Wie hält man das nur aus,

wenn man weiß, dass man bald sterben muss?

 

 

 

 

Rhizomatische Landschaft, 2013

 

Mixed-Media-Montage

 

Ach so, möchte ich diesen Menschen entgegnen,

Sie feiern also kein einziges Fest und gehen niemals auf eine Party,

nur weil Sie wissen, dass es am nächsten Tag vorbei sein wird?

 

Vielleicht versuchen Sie es in Zukunft einfach mal umgekehrt:

Weil Sie wissen, dass es morgen vorbei sein wird, könnten Sie

auch hingehen und noch einmal ordentlich auf den Putz hauen.

 

Aber ich empfehle Ihnen, den Abend ohne Alkohol und Drogen zu verbringen.

Mit einem schweren Kopf und üblen Erinnerungen an peinliche Auftritte

gestaltet sich die Zeit danach nicht besonders angenehm.

Besser ist es, wenn im Rückblick angenehme Gefühle

und insgesamt positive Erinnerungen überwiegen,

wenn man insgesamt "mit sich im Reinen ist" sozusagen.

Ich glaube, das macht es leichter.

 

Mit anderen Worten:

Wir wissen doch alle, dass wir sterben müssen?

Wie hält das denn die Person aus, die mich gerade fragt?
 

Sollten wir nicht besser alle unser „Rest-Leben

auf diese Tatsache ausrichten, statt uns so zu verhalten,
als wären 20 oder 30 Jahre eine nicht zu planende Ewigkeit?

Sollten wir unser Leben nicht einfach nur besser gestalten?

Mehr Qualität in jedem Moment, statt im Gießkannenprinzip

nur immer mehr von allem, auch vom Schlechten?

 

Oder, wie Brittany Maynard es auf ihrer Homepage geschrieben hat:

„Eines Tages wird dein ganzes Leben als Film an dir vorüberziehen;

sorge dafür, dass er sehenswert ist."

 

Überdies: Woher weiß der Fragende, ob er nicht selbst

morgen einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall erliegt
oder bei einem Verkehrsunfall sterben wird,

während ich noch fünf Jahre fröhlich leben könnte?

 

Außerdem: Was sich kaum jemand vorstellen kann:

Das, was das Tückischste des Krebses ist,

dass man die Krankheit so lange nicht spürt,

das ist vielleicht das Beste daran, wenn man sie hat:

Man kann sich mit dem Krebs lange körperlich gesund fühlen.

Und solange liegt die Schwierigkeit allein in der psychischen Bewältigung.

 

Bewusst jeden Moment genießen,

statt die Lebenszeit sinnlos zu verplempern:

Das kann der Gedanke an den Tod bewirken

und das ist das beste Mittel, um dem Leben noch viel Freude abzugewinnen.

Man benötigt dafür weder mehr Geld und Güter, noch eine Religion,

sondern nur etwas mehr vom Philosophen Kant.

Der Gewinn ist ein erheblicher Zuwachs an Lebensqualität.

 

 

 

 

 

Feeling Free, 2013, Mixed-Media-Montage




Im Folgenden habe ich nun einige Punkte aufgelistet, die sich

mit der Diagnose einer tödlichen Krankheit sogar verbessern können.

Ich hoffe, ich kann einige Leser dazu anregen, über das Leben nachzudenken.



1)      Jeden schönen Moment genießen können?
Wenn ich etwas ganz Bestimmtes erwarte,

genügt nur eine kleine Abweichung, um mich zu enttäuschen.

Offener zu sein für das Unerwartete, gelingt mir leichter

mit dem Wissen der Begrenztheit meines Lebens.

Das schenkt mir viele glückliche Momente.

 

2)      Große Ziele? Ich strebe nur noch an,

was ich schnell und leicht erreichen kann.

Die kleinen Schritte schnell entschlossen gehen.

Nicht so lange zögern, bis alles absolut perfekt ist.

z. B. Die Homepage online stellen, obwohl sie unfertig ist.

Das bringt mir häufiger kleine, aber beglückende Erfolge.

 

3)      Lotto spielen? Geld gewinnen? Vom großen Reichtum träumen?

Ich will nur noch, was Geld nicht kaufen kann:

Die Zeit mit offenen, sensiblen Menschen

mit positiver Lebenseinstellung verbringen.

 

4)      Ich spare nicht mehr für die großen Wünsche.
Stattdessen wähle ich viele kleine und leiste sie mir sofort.
Die Gesamtbilanz ist viel positiver, weil die großen Wünsche

eine lange Sparphase mit vielen kleinen Verzichts erfordern.

Bei der Realisierung erweisen sie sich dann oft sogar als Illusion oder

sie nutzen sich in ihrer positiven Wirkung auf das Lebensgefühl schnell ab.

 

5)      Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden?
Das fällt mir so leicht wie nie zuvor im Leben.

Meine erste Frage lautet nun immer: Was bringt es für mein Leben,

wenn ich meine wertvolle Zeit damit verbringe?

Die Folge ist, dass ich unglaublich viel Zeit und Energie habe, weil ich mich

um den ganzen Schwachsinn unserer Zeit nicht mehr kümmere:

seichte Unterhaltung, Talkshows, Kreuzworträtsel und Sudoku, jede Woche

ein neuer Aufreger in den Medien und all die Probleme am anderen Ende der Welt.

 

6)   Mehr auf die inneren Bedürfnisse hören? Ja.
Konsequenter „nein“ sagen können? Ja.
Radikaler leben? Ja, aber verantwortlich.
Oder bin ich nur egoistischer als zuvor? Vielleicht. 

Aber muss ich wirklich immer hilfsbereit sein?

Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist?

Muss ich mich wirklich um jeden Menschen kümmern?

Zyniker kann man weder überzeugen noch heilen, nur meiden.

 

7)      Die Zeit dehnt sich wie in ständiger Zeitlupe.
Vielleicht weil ich jeden Moment mehr beachte? Weil
ich mich aufs Wichtige beschränke und mehr schaffe?

 

8)     Alle Zukunftsängste, die so viele Menschen plagen?

Die kann ich mir sparen!

Demenz? Pflegeheim? Betrifft mich nicht mehr.

Ein schwerer Unfall? Ein Terroranschlag?
Dann ist das Krebsleiden gleich vorbei.

 Ist das Essen gesund? Wieviel Kalorien?

Wieso? Ich sterbe sowieso bald. Hauptsache es schmeckt mir.
 

9)  Jetzt noch das große Glück? Die große Liebe?
Es gibt nur das kleine Glück in den Momenten.

Alles andere ist leerer Wahn.

 

10)    Das Leben von Grund auf ändern?

Es noch mal krachen lassen? Wozu denn noch?

Jetzt ist mein Leben so, wie es war: Unveränderbar.

Außerdem: Bin ich denn der Typ dafür, wenn ich’s nie zuvor getan?

 

11)  Ich muss kein toller Hecht mehr sein.
Ich weiß, dass ich krank bin.

Daher setze ich mich nicht mehr so unter Druck.
Was nicht mehr geht, das geht nicht mehr.

 

12)  „Die Zukunft“ ist das nächste weiße Blatt,
das sich nur im Erleben füllt.

Nur noch „Last Minute“ buchen.
„Nächstes Jahr im Sommer“ ist gelogen.

 

13)    Schickere, neue Sachen kaufen?

Nein, wenn die "alten" ihre Funktion noch voll erfüllen.

Das spart Geld und die ganze Zeit des Suchens. Außerdem:

durch Protz und Besitz zu beeindrucken, das ist der falsche Weg.

Eine positive Beziehung zu anderen Menschen aufbauen,

in der wir uns innerlich entwickeln und wachsen können,

das ist es, was uns die glücklichsten Momente des Lebens beschert.

   

14)  Will ich noch was Neues lernen,
außer dem Abschiednehmen? Aber ja! Warum

soll ich die Neugier aufgeben? Könnte ich das überhaupt?

Das ist doch generell die Krux unserer Existenz:

Ständig optimieren wir unser Verhalten für dieses Leben und

wenn wir am Besten wissen, wie alles funktioniert, treten wir ab.

Noch einmal zurück auf Los, mit all dem Wissen über

so manche Regel dieses Lebens? Die Welt läge uns zu Füßen!

Doch wir müssen diese Welt verlassen.

Grundsätzlich auf dem Höhepunkt (außer bei Demenz).

 

15)  Die große Verantwortung für diese ganze Erde?
Die überlass ich leicht den Lebenden.

Alle Machtspiele und Kriege dieser Welt?
Ich bin schon nicht mehr von dieser Welt.

 

16) Eine große Tat vollbringen, die man sich nur leisten kann,

wenn man nicht mehr lange zu leben hat.
z. B. Whistleblower werden und Umweltzerstörungen der eigenen Firma

oder menschenverachtendes Verhalten seines Staates

der Weltöffentlichkeit bekannt machen.

 

 

 

 

ohne Titel, 2013

Mixed-Media-Montage

Mit diesem Statement will ich mich nicht als Held stilisieren.

 

Ich glaube vielmehr, dass dieses Feuerwerk der Lebensenergie

in der heutigen Zeit nicht untypisch für Krebskranke ist.

 

Ein wesentliches Merkmal des Krebses (ähnlich bei MS, Demenz, AIDS, ALS)

ist m. E. das, was ich das „aufgeschobene Ende“ nennen möchte

und was der so oft gescholtenen "Schulmedizin" zu verdanken ist,

die das Leben mit diesen Krankheiten immer mehr verlängert

und dabei auch auf die Lebensqualität der Patienten achtet.

 

Die Folge ist, dass der Kranke zwar weiß, dass er sterben muss,

doch da die Krankheit mit den Medikamenten verlangsamt fortschreitet,

ist der Mensch noch längere Zeit tatkräftig und leistungsfähig

und manche Menschen stellen sich in dieser Situation die Aufgabe,

noch etwas zu schaffen, was von bleibendem Wert ist oder gar die Welt verbessert.

 

Stellvertretend für viele vitale Todkranke will ich nennen: 


Wer nun als Todkranker noch nach einer sinnstiftenden Aufgabe sucht,

dem sei mein folgender Appell ans Herz gelegt:

 

Ausgelöst durch die Verfolgung der whistle-blower

anstelle der tatsächlichen Täter und angeregt

durch meine Krebserkrankung, ruht meine Hoffnung nun

auf den sterbenskranken Menschen mit Insiderwissen.

Die Todkranken sind die Einzigen, die sich nicht fürchten müssen

vor der Zerstörung ihrer Existenz durch mafiaähnliche Unternehmen

oder durch die Überdehnung staatlicher Kontrolle und Gewalt.

 

Wir Todgeweihten können furchtlos

den Skrupellosen und Mächtigen in den Arm fallen

mit dem neu interpretierten, alten Ruf: 

"MORITURI  TE  SALUTANT "

Furchtlos können wir die Öffentlichkeit

über undemokratisches oder inhumanes Verhalten

von staatlichen Institutionen oder privaten Firmen informieren

oder unternehmerische Aktivitäten aufdecken,

die systematisch die Lebensgrundlage auf unserer Erde zerstören.

Appell an die Todkranken zur Verbesserung der Welt

Wir wissen, dass unser blauer Planet unser einziger Lebensraum ist.

Daher müssen wir diese Erde für unsere Nachkommen erhalten,

wozu auch Demokratie und der soziale Friede unter den Menschen beitragen.

 

Es wird aber immer egoistische Bereicherungen geben, die einem

nachhaltigen harmonischen Leben auf dieser Erde zuwiderlaufen.

Oft mag das geschehen aus Unbedachtheit oder in der Annahme,

der Schaden werde klein bleiben für die große Erde.

Das galt früher vielleicht, aber nicht mehr bei 7 Milliarden Menschen,

die mit ihren gigantischen Möglichkeiten die Erde umwälzen.

Oft handeln mächtige Interessengruppen zudem rein egoistisch

und nehmen dabei bewusst in Kauf,

die Lebensgrundlagen dauerhaft zu zerstören, 

um kurzfristige materielle Vorteile zu generieren.

Nicht nur Mafia-Organisationen gehen dabei auch über Leichen.

 

Dass diese Ansichten nicht nur Gedanken sind

von "weltfremden Marxisten" und "Öko-Spinnern",

das hat Elinor Ostrom gezeigt in "Die Verfassung der Allmende" und in

"Was mehr wird, wenn wir teilen: Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter".

 

Im Jahre 2009 erhielt sie den Nobelpreis für Ökonomie.

Sie hat darüber geforscht, wie es gelingen kann, dass knappe, natürliche Ressourcen

(u. a.: das Wasser, die Wälder, die Luft, die Fische des Meeres)

angemessen und nachhaltig gemeinschaftlich genutzt werden können;

ein Problem, das immer drängender wird, je mehr Menschen

auf der Erde leben und je globaler die Ausbeutung der Ressourcen wird. 

 

Zu diesem Thema möchte ich den Dokumentarfilm empfehlen:

"Wachstum, was nun?" von Marie-Monique Robin (93 min.)

über die Unmöglichkeit von unbegrenztem Wachstum
auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen,

über "Urban Gardening" und lokale Währungen als Schutz der Bevölkerung

vor Krisen durch die internationale Finanz-Fehlspekulation, etc. 

Mit dem Dogma, dass nur ständiges Wachstum unseren Wohlstand sichert,

haben wir Menschen begonnen, unsere eigene Lebensgrundlage zu zerstören.

Der ununterbrochene Anstieg des Ressourcenverbrauchs, der dafür notwendig ist, 

wird die endlichen Ressourcen unseres Planeten Erde irgendwann vernichtet haben.

 

Es dürfte hunderte oder tausende Skandale geben,

die der Öffentlichkeit nur noch nicht bekannt geworden sind.

Wir müssen aktiv werden, rein schon aus egoistischen Motiven:
Um die Grundlage unserer Existenz für uns und unsere Kinder zu sichern.
 

In der Vergangenheit hat es sich aber gezeigt, dass es nicht ausreicht,
als Konsument solche Unternehmen zu boykottieren oder
als Investor solche Unternehmen zu meiden:
Das zerstört noch lange nicht ihre unethische Geschäftsgrundlage,

auch weil sich zu wenige an solchen Aktionen beteiligen und

weil zu viele in Geiz-ist-geil-Manier ihrem Überhunger frönen.

 

Gesetzliche Regelungen zum Schutz der Umwelt müssen verschärft werden

und dazu muss der Einfluss der Lobbyisten zurückgedrängt werden

zugunsten von Verbraucher- und Umweltorganisationen.

Denn es hat sich in der Vergangenheit zu oft gezeigt, dass Lobbyisten

systematisch die Risiken von Technik verharmlosen

oder bewusst falsche Informationen verbreiten.

 

Daher habe ich den folgenden Appell verfasst.

Ich bitte die Leser, diesen Aufruf an alle Bekannten zu senden,
in der Hoffnung, dass sich darunter Geheimnisträger finden,

die als letzte große Tat vor ihrem Tod ihr Gewissen erleichtern
und diese Welt "testamentarisch" ein wenig besser machen wollen.

The future may fool me ... or others

It’s not the whistleblowers who threaten democracy,

but the mighty secret services, the big banksters,

the mafia-organizations and the companies, which destroy

the essentials of life on our one and only mother earth.

 

Democracy has been developing in more than 2000 years.

Again and again we have had to learn, that every institution needs

to be controlled and that separation of powers is a must be.

It makes the society more inefficient, but in the end

it prevents the whole system from destruction.

 

As Wolfgang Sofsky, a German sociologist describes,

it is part of the system that those people, who are responsible

for public security, try to control everything, in order to do the best job,

until the people fear to lose their freedom

and cut back the rights of the control-system.

 

So no one should hate the people on the other side, because we all

just take part in the everlasting game of building social welfare

somewhere in the wide range between being secure and being free.

 

Well, I admit, if we cut back the rights of the secret services,

there might be more assassinations.

But in the long term this will strengthen the democratic idea.

If we punish the whistleblowers instead of (for example) the soldiers,

who torture or kill innocent people, we discredit democracy

all over the world and the number of terrorists will rise.

 

Do you think this is cynical? O. K. then. What do you think about traffic?

In the year 2010 in the European Union 30.700 people

died in accidents and 33.000 in the USA.

And some hundred thousands were badly injured.

 

We all accept this and don’t even think about it. We fear terrorism,

but cross the street without fear and drive the car at high speed.

I think, the secret services exxagerate the danger of terrorism,

in order to make people accept the observation of all residents.

It might be much more efficient, if most people, who work for

the secret service, would work for more safety in traffic.

 

Last year we could see, that it is nearly impossible for a whistleblower

to live in freedom. The political system of the USA approves only its own laws

at home and abroad. (And I am sure, if China, Russia or any other country

had the same power, they would act in the same way.) And we know,

how mafia-organizations treat traitors and how companies try to ruin

those insiders, who reveal illegal activities of the company they work for.

 

Since I got cancer, I have come to this idea:

All those people, who are mortally ill,

are the last hope for the democratic world.

We don’t have to fear death penalty or 35 years in prison

or the killing of any mafia organization.

 

We are the only ones to threaten the mighty systems by telling them:

Morituri te salutant.

So I ask you, whoever you are and wherever you live

and whatever language you speak:

Please, translate this appeal into your mother tongue.

Then sent it to everyone you know and tell him or her:

 

If you are mortally ill, please take your last chance

to become unforgettable in history of mankind.

If you know any secret about the company or the state you work for

or the illegal organization you have been a member of

and you feel, that this secret is a crime against

the democratic world, against human rights or

against the essentials of life on earth, please let the world know.

 

You are one of the few people, who don’t have to fear punishment,

because you face your near death anyway.

 

Please help the world to become a better place,

although you personally will not have any profit from it.

Please, don't hesitate.

 

 

Außerdem möchte ich auf das Manifest hinweisen,

das "John Doe", die anonyme Quelle der Panama-Papers,

der Süddeutschen Zeitung übergeben hat.

Nachlesen kann man es unter diesem Link:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/panama-papers-das-manifest-von-john-doe-1.2982442

 

 

 Weitere Infos von mir zum Thema Krebs finden Sie

auf den Unterseiten dieser Homepage.

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